Ursprung & Ansatz

Musik, Ritual & Re_Connection

Die Beschäftigung mit Musik, Ritual und veränderten Bewusstseinszuständen entwickelte sich zunächst aus meiner musikalischen Praxis.

Schon früh interessierte ich mich für Wiederholung, Loops und zyklische Strukturen, zunächst durch Hip-Hop und elektronische Musik. Dabei wurde deutlich, wie Wiederholung Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und körperliche Zustände verändern kann.

Ein wichtiger Impuls entstand 2003 durch Aufnahmen vom Gnawa-Festival in Essaouira. Die Verbindung von rhythmischer Wiederholung, Gesang, Bewegung und rituellem Kontext eröffnete mir eine musikalische Praxis, in der Klang körperlich und sozial wirksam wird. Später reiste ich nach Marokko, besuchte das Festival und begann mich intensiver mit der Verbindung von Musik, Ritual und veränderten Bewusstseinszuständen zu beschäftigen.

Feldforschung & Forschung

Forschungsgrundlage

Zwischen 2010 und 2011 führte ich unter Betreuung der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden ethnomusikologische Feldforschung in Marokko durch. Im Mittelpunkt standen die Gnawa-Bruderschaft und ihre rituelle Praxis. Die daraus entstandene Arbeit trägt den Titel „Musik und Trance: Mechanismen und Auswirkungen am Beispiel des Gnawa-Kultes in Marokko“. Die Arbeit wurde mit 1,0 bewertet.

Die Forschung folgte einem klassischen ethnomusikologischen Ansatz: teilnehmende Beobachtung, Interviews mit Musiker:innen und Ritualteilnehmenden sowie direkte Teilnahme an nächtelangen Zeremonien. Ein zentraler Teil bestand darin zu klären, was oft unscharf „Trance“ genannt wird. Stattdessen arbeitete ich mit dem Konzept der veränderten Bewusstseinszustände und beschrieb sie als kontextabhängige Verschiebungen von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und körperlicher Erfahrung — alltagsnah und an konkrete Bedingungen gebunden.

Ein besonderer Fokus lag auf musikalischen Prozessen: dem Zusammenspiel von Tempo, Wiederholung und Intensivierung; der Wechselwirkung von Rhythmus und Bewegung bei der Veränderung körperlicher und mentaler Zustände; und der Entstehung kollektiver Synchronisierung in Klang und Geste. Diese Fragen stehen bis heute im Zentrum meiner Arbeit.

Seitdem hat sich meine Forschung deutlich erweitert: von ethnografischer Beobachtung zu einer breiteren interdisziplinären Untersuchung, die Philosophie, Psychologie, Neurowissenschaften, Ritual Studies und Ästhetik einbezieht. Besonders interessiert mich der rituelle Raum: das Zusammenspiel äußerer Bedingungen wie Architektur, Klang, Licht, Geruch, Temperatur und sozialer Konstellation mit inneren Prozessen wie Aufmerksamkeit, Emotion und Körperwahrnehmung.

Dazu gehören Fragen wie: Was lässt einen Raum wie eine Schwelle wirken? Wie greifen sinnliche Elemente wie Musik, Bewegung, visuelle Form und Duft ineinander, um Bewusstsein zu verändern? Welche Rolle spielt die Gruppe, und wie verhält sich individuelle Erfahrung zum kollektiven Prozess? Wie lassen sich solche Räume ohne religiöse Rahmung wirksam gestalten?

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Gnawa-Ritualpraxis – Dokumentation

Dokumentation über Gnawa-Musik und Ritual

Forschungsfeld

Ritueller Raum

Aus der Gnawa-Feldforschung ist eine eigenständige Forschungslinie geworden: die Frage, wie aus einem Ort eine Schwelle wird — wie Klang, Wiederholung, Körper, Raum und Gruppe rituelle Situationen hervorbringen, in denen Wahrnehmung, Affekt, Aufmerksamkeit und leibliche Selbstverortung verändert oder aktiviert werden können. Zehn Spuren, geordnet als Forschungsbewegung vom Rahmen über Rollen und innere Zustände zu Klang, Körper, Geschichte, Gegenwartspraxis und Wirkung:

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Übersetzung

Von der Forschung zur Praxis

Die Forschung fragt, wie sich Erkenntnisse aus rituellen Traditionen in heutige westliche Kontexte übersetzen lassen: mit Respekt vor kultureller Herkunft, mit klarer Rahmung und mit beobachtbarer Wirkung darauf, wie Menschen sich zu sich selbst, zueinander und zur Welt verhalten.

Heute führe ich die Feldforschung fort und beobachte zeitgenössische rituelle Kontexte beziehungsweise nehme an ihnen teil: Ecstatic Dance, Five Rhythms, Techno, Konzerte und therapeutische Formate. Ich untersuche, was diese Räume tragfähig macht, wann sie kippen und welche Rolle Klang, Körper, Gruppe, Übergang und Rückführung spielen.

Re_Connection ist der Praxisraum, in dem diese Fragen mit einem interdisziplinären Team aus Tanztherapie, politischer Bildung und Live-Musik erprobt werden.

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